Medienausbildung an einer Kunsthochschule: Dresden

(Rede von Prof. Lutz Dammbeck zur Abschlussveranstaltung des Modellversuchs „Artlab: Medienhöhle 1-x“ am 26.04.204)

1
Resumeé des Modellversuchs

2
Vorstellung eines Konzepts für die künftige Medienausbildung
an der Hochschule für Bildende Künste Dresden

   
medienhöhle
 


Prof. Lutz Dammbeck
Projektklasse Neue Medien
Dresden, 22. April 2004


1

Liebe Gäste, liebe Kollen und Studenten.

Seit dem ersten Oktober des Jahres 2000 beteiligt sich die
Projektklasse Neue Medien an der Hochschule für Bildende Künste in
Dresden unter dem Titel „ARTLAB:Medienhöhle 1-x“ an einem
Modellversuch im Programm „Kulturelle Bildung im Medienzeitalter“ der
Bund-Länder-Kommission für Bildungsplanung und Forschungsförderung.

Dies wurde unterstützt aus Mitteln des Bundesministeriums für Bildung
und Wissenschaft und des Sächsischen Staatsministeriums für
Wissenschaft und Kunst und hatte zur Zielsetzung, ich zitiere aus der
Antragsbegründung:
„Kompetenzgewinnung an der Schnittstelle Kunst - Kommunikation - Neue
Medien“ - „Vermittlung von Methoden für freies künstlerisches Arbeiten
mit neuen Medien“ - „Erarbeitung von Konzepten und Modellen für
Studienbausteine und Studienangebote für die spätere Implementierung in
das Lehrangebot der Hochschule“.

Diese Ziele sollten in einer Mischung von Kurssystem und offener
Versuchsanordnung erreicht werden.

Ich möchte Sie nun über die Ergebnisse unserer Arbeit informieren.

Dazu ist es notwendig, sich noch einmal an die Ausgangssituation zu
erinnern. Sowohl an der Hochschule, wie auch im allgemeinen
gesellschaftlichen Umfeld.

Damit möchte ich beginnen.

Am Starttag unseres Projekts am 1.Oktober 2000 befanden sich die
Börsenkurse für die Unternehmen des Neuen Marktes auf einem
historischen Höchststand. Die Diskurse in Politik, Ökonomie und Kultur
waren bestimmt von Schlagworten wie New Economy, Interaktivität,
Virtualität, Networking, Grid-Computing, Hypertext,
Aufmerksamkeitsökonomie, Cyberspace und, und, und.

All diese Begriffe entsprangen der kulturellen und gesellschaftlichen
Disposition der letzten 50 Jahre, die von der Entwicklung und
Einführung des Computers bestimmt war, aber auch von dem Traum der
Weite, der Grenzenlosigkeit von Fortschritt und von neuen
Lebensmöglichkeiten
in bislang ungekanntem Ausmaß.

Vollelektronische Datenhighways, so die Vorstellung, würden künftig
nicht nur einen Massenmarkt für Unternehmen schaffen,
um über das Netz Informationen und Daten zu verkaufen, sondern auch
Filme, Spiele, Musik, Bücher und Dienstleistungen aller Art.

Eine Wissensgesellschaft würde entstehen, gepaart mit neuen Kunstformen
und neuen Ökonomien - ein Garten Eden, in dem alle Menschen glücklich
und im Überfluß leben würden.

An der californischen Westküste der USA entwickelte sich in den 60er
Jahren durch die Verschmelzung der kulturelle Boheme aus San Francisco
mit den High Tech Industrien des Silicon Valley anscheinend ein Ort, wo
diese Utopien Gestalt anzunehmen schienen.

Hier verband sich der frei schwebende Geist der Hippies mit dem
unernehmerischen Antrieb der Yuppies, vereint im gemeinsamen,
tiefreichenden Glauben an das emanzipatorische Potential der neuen
Informationstechnologien.

Die von Marshal McLuhan und Norbert Wiener beeinflußten Technophilen
glaubten, dass durch die Konvergenz von Medien, Computern und
Telekommunikation eine elektronische Agora entstehen würde, in der die
Macht der großen Unternehmen und Regierungen durch die Auswirkungen der
neuen Technik gebrochen würde.

In diesem Geist entstanden, vor allem an der Ost- und Westküste der
USA, eine alternative Presse, kollektive Radiostationen,
Multimediakunst, Videogruppen, die Kultur der Hacker und erste
alternative Computernetze.

Diese Medienaktivisten glaubten sich an der Front für ein neues Amerika
zu befinden, das zugleich das Modell für die übrige Welt zu sein
schien.

Nachdem psychedelische Drogen, Landleben, Kommunen, freie Liebe und
Buckminster Fuller Dome sich als Sackgassen im Hinblick auf
Gesellschaftsveränderung erwiesen hatten, erwartete man die Revolution
nicht mehr aus der Aktivität von politischen Radikalen, sondern von den
technologischen Durchbrüchen in den Firmen des Silicon Valley und den
Laboren des MIT oder des Lincoln Lab, die ein kybernetisches Eden in
Aussicht stellten.

Diese Pionierarbeit wurde großzügig von High Tech- und Medienindustrien
gefördert, heute wissen auch wir: und vom Verteidigungsministerium und
der CIA.

Von den ersten Großrechnern wie SAGE, Colossus bis zum EDVAC, von
Flugsimulatoren bis hin zur Entwicklung des Internet, der
Biowissenschaft, Genetik oder Künstlicher Intelligenz hing der
Fortschritt der dafür notwendigen Computertechnologie in entscheidenden
Momenten stets
von staatlichen Forschungsgeldern ab.

An der Verfertigung dieser Träume von Elektronischen Communities und
neuen Netzwerken, die zur Veränderung bestehender Verhältnisse führen
sollte, waren auch Künstler maßgeblich beteiligt.

Seit den späten 40er Jahren des letzten Jahrhunderfts hatte sich eine
Kunst entwickelt, deren Akteure begeistert waren von den neuen
wissenschaftlichen Theorien und ingenieurstechnischen Kunstsstücken.

Sie versuchten, diese technischen und wissenschaftlichen Modellwelten
aus Kybernetik und Systemtheorie auf ihre Kunst zu übertragen - vor
allem in der Musik, so etwa John Cage, La Monte Young, Terry Riley,
aber auch in der Bildenden Kunst.

Die von Systemtheorie inspirierten Modellwelten von Hans Haacke und
Jack Burnham, die Kunst als System (art as a system) erforschen und
praktizieren wollten oder die naiven „robots“ und „image processors“
Nam June Paiks sind nur einige Beispiele, die erstmals in Ausstellungen
wie „Information“ oder „Software“, 1969 im Jewish Museum in New York,
der Öffentlichkeit vorgestellt wurden.

Non-linearität, Loops, Rückgriffe auf historischen Minimalismus der
frühen 60er Jahre, Fall der Gattungsgrenzen, Reduktion und
Fragmentarisierung waren Ausgangspunkte und Paradigmen dieser Kunst.

Das ging einher mit einer Tendenz zur „Körperlosigkeit“.
Sprache wurde nun „zirkulär“ gesehen, die „Wahrheit wurde zur
Wahrscheinlichkeit“ und die Realität zur „Konstruktion“.

Die Grenzen zwischen Gattungen der Kunst schienen sich ebenso
aufzuheben, wie zwischen Kunst und Leben oder zwischen Kunst und
Werbung.

Die neuen digitalen Möglichkeiten erlaubten den unbegrenzten Zugriff
auf alles visuelle Material für einen bunten Mix aus Pop, Wissenschaft,
Kunst und Revolte.

Zum ehernen Bestand der New-Economy-Ideologie gehörte von jeher die
Illusion, das ökonomische Interesse sei an ein kulturelles Projekt
geknüpft, das etwas mit „Revolution und Aufbruch“ zu tun habe....Seht
her, wir formieren hier nicht nur eine ökonomische, sondern auch eine
kulturelle
Avantgarde: Vernetzt, mobil, autonom, rhizomatisch.

Die kleinen flexiblen Einheiten, das Quereinsteigertum, der
Enthusiasmus die angeblich Kunst, Unternehmertum und New Economy
miteinander verbanden, wurden nicht zufällig mit Belobigungen von
Managementtheoretikern oder Standortpolitikern bedacht.

Das Mantra von „flachen Hierarchien, teilautonomen Institutionen und
mutigen „Experimenten“ war up to date. Das Wort „Experiment“ wurde zu
einem der meistgebrauchten Worte in der Werbung von Banken und
Sparkassen.

Der ehemalige Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bahn, der Manager
Heinz Dürr brachte es einmal so auf den Punkt:

„...um den produktionsorientierten in einen konsumorientierten
Kapitalismus zu überführen, brauchen Sie die Kunst. Spätestens seit
Andy Warhol seine Suppendosen zur Kunst erklärte war klar: Kunst und
Markt marschieren im Gleichschritt.

In Wirklichkeit hat die Kunst die Wirtschaft schon übernommen.

Das schlimmste deutsche Sprichwort heißt: Dienst ist Dienst und Schnaps
ist Schnaps. Diese Genzen durchbricht die Kunst und genau das ist es,
was der moderne Kapitalismus braucht.

Die große Fabrik wird in der modernen Wirtschaft zum modernen Theater.
Die Marktwirtschaft wird abgelöst durch die Netzwerkwirtschaft.

Sie brauchen keinen Besitz mehr, es geht nur noch um den Zugang, das
Portal. In Zukunft geht es nicht mehr darum, ein Auto zu besitzen,
sondern darum, es zu fahren. Die Firmen verkaufen keine Produkte mehr,
sondern Nutzungsrechte.“

Die „Lockerungsübungen“ der New Economy wirkten bis weit hinein in
Kreise einer linken Boheme, von denen ja die entsprechenden Apelle an
Deregulierung, Flexibilität und Einsatzbereitschaft ursprünglich
ausgegangen waren.

Auf dem Höhepunkt des Hypes erschienen Computer und die neuen
Technologien als unabdingbare Asseciores für Lifestyle, modischen Chic
und Kreativität.
Wer da nicht mitzog, würde bald zum alten Eisen gehören, würde
abgehängt, und das Nachsehen haben.

Dem Wettlauf um immer schnellere Rechenleistungen und Netzwerke,
die immer mehr Daten aufnehmen und verarbeiten konnten, schien sich
niemand entziehen zu können.

Die Mittel für den Modellversuch wurden genau in dieser Zeit
und unter diesem Modernisierungsdruck zur Verfügung gestellt.

Aber schon wenig später, im Jahre 2001, wir hatten die ersten Seminare
im Modellversuch erfolgreich durchgeführt, änderten sich die
Schlagzeilen. Nun hiess es:

„Der US-Ökonomie geht die Luft aus....3. Januar 2001: Der
Internet-Kapitalismus gerät ins Trudeln, den USA droht eine schwere
Rezession.
Kapitalverbrennung im großen Stil! Kasinokapitalistischer Boom“ mit
einer grotesken Überbewertung der Aktien! Fiktionale Buchwerte lassen
Hightech-Unternehmen zusammenbrechen!“

Die Party war vorbei. Wer Aktien gekauft hatte, bemerkte das bei einem
Blick in sein Depot.

Merkwürdigerweise war bei all diesem Hype um die neuen Medien und
Technologien anscheinend eines in Vergessenheit geraten:

der Rahmen dieses kulturellen Wandels war immer der Krieg gewesen - er
war der Vater aller dieser Dinge.

Der Zweite Weltkrieg brachte den Radar, Entschlüsselungsmaschinen, und
neue Kommunikationstechniken für das Schlachtfeld hervor, die zusammen
das Vermächtnis der Computerwissenschaften bildeten.

Die Problemlösungen für das Fernmeldewesen und die Automatisierung und
Fernsteuerung von Befehls- und Kontrollvorgängen ergaben sich
allesamt aus Notwendigkeiten der Kriegszeit.

Immer war es aber so, dass die technologischen Entwicklungen, die
zunächst hinter den als „classified“ versiegelten Labortüren der Labs
von Army und Navy und später der Universitäten entwickelt wurden,
später einer zivil-wissenschaftlichen, künstlerischen und ökonomischen
Nach-Nutzung zur Verfügung gestellt wurden.

Und immer gab es die Utopie vor allem der Künstler, diese Technologie
umnutzen, sie gegen die in sie eingeschriebene Ursprungsbestimmung
einzusetzen, sie praktisch „umdrehen“ zu können.

Peter Weibel, heute der Direktor des ZKM Karlsruhe, trennte sich in den
90er Jahren von der Ars Electronica in Linz, die er mitgegründet hatte,
weil er die Veranstaltung zunehmend zu einer Verkaufsausstellung für
die Elektronikindustrie verkommen sah.

Im Programmheft unserer Eröffnungsveranstaltung im Jahr 2000 schrieb
Peter Weibel:

„Medienkunst beschäftigt sich nicht mit der Herstellung von Bildern,
welche die Kunstgeschichte plündern und damit einen bürgerlichen Hunger
nach Bildern stillen, wie es die Größen der Videokunst der achziger
Jahre getan haben.
In der gegenwärtigen Gesellschaft spielen die Prozesse der Signal- und
Datenverarbeitung, von der Zieltechnologie der Militärs bis zu den
Transaktionen des Geldmarktes, die zentrale Rolle.
Die neue Generation von Medienkünstlern bewegt sich in diesen
Datenlandschaften und liefert uns kritische Einsichten in die Folgen
dieser Prozesse. Nur so kann es der Kunst gelingen, gewisse Bereiche
des militärisch-kommerziellen Komplexes der Informationsgesellschaft zu
re-zivilisieren.“

Vier Jahre vorher, da war er noch nicht Direktor des ZKM, klang seine
Zielvorgabe für die neue Avantgarde noch kämpferischer:

„Wir sind jetzt in der Phase, wo wir kämpfen müssen.
Das wird ein schwieriger politischer Kampf, weil das Netz zu einer
neuen Kolonialisierung benutzt wird. Amerika und Microsoft sind dabei,
dieses Netz zum Instrument ihrer Kolonialisierungspolitik zu machen.
Der Cyberspace ist der letzte Kolonialraum, wenn es uns nicht gelingt,
diesen Einfluß von Microsoft, Network Solution oder zwei, drei anderen
Internetfirmen zu stoppen.

Diesen Kampf müßte eine neue Avantgarde aufnehmen, die sich wie
Partisanen in den Netzen bewegt“

Das klingt sehr nach Hakim Bey´s anarchistischer Poesie, und war und
ist für die mediale Wirklichkeit ohne jede Bedeutung.

Dieser Kampf für die Nutzung des Netzes und neuer Schlüsseltechnologien
im Sinne der Utopien von Gegenöffentlichkeit, free speech und Freiheit
des Internets ohne Kontrolle und Überwachung durch Staat und Konzerne
scheint heute verloren.

Die Cyberavantgarde wirkt deprimiert. Auf den einschlägigen Festivals
wie der Ars Electronica oder der Transmediale herrscht Ratlosigkeit. Es
hat sich gezeigt, daß all die Gegen-Netze wie Nettime oder Name.Space
immer einen oder mehrere Schritte hinter den Realitäten herliefen, die
von den Inhabern der realen Macht vorgegeben wurden.

Die Strategie von „Wir wollen den Code nicht zerstören, sondern
verändern“ blieb schöne Theorie, und wurde in folgenlosen
Kunstprojekten stillgelegt.

Kunst ohne Widerspruch - Malerei ohne Malerei - Film ohne Film -
Religiösität ohne Glauben - Marktwirtschaft ohne Markt - das sind die
nur vordergründig absurd wirkenden Paradigmen der geschichtlosen Zeit,
in die wir, wenn wir Wolfgang Pohrt und anderen in der Analyse folgen,
nun eingetreten sind.

Wenn wir genauer hinschauen erkennen wir aber, dass diese Paradigmen
nur der in die neuen Technologien und Maschinensysteme eingeschriebenen
Logik und Programmatik folgen.

Diese Technologien finden wir heute in Druckereien, Setzereien, Foto-
und Filmlaboren, Kinos, Tonstudios, Radio- und Fernsehstationen, wo sie
den Takt der Produktion und auch zunehmend die Inhalte bestimmen.

Das verläuft in rasend schneller Entwicklung, der nicht nur die Theorie
atemlos und desorientiert hinterhertaumelt.

*

Wir wissen immer noch nicht, ob man mit diesen Maschinen je die
vorhergesagte neue Kunst wird machen können.

Was wir aber sicher wissen, ist: diese Maschinen werden nicht mehr
verschwinden, und wir müssen uns mit ihnen auseinandersetzen.

Das ist nicht eine Frage von Interesse oder Nichtinteresse, sondern
eine Zwangssituation. Natürlich kann man das auch ganz anders sehen.

Und genau das ist es, um was es geht:
um einen kritischen Diskurs über diese Fragen, der die Verhältnisse
nicht verfestigt, sondern in Bewegung bringt.

Dieser Diskurs und die künstlerische Auseinandersetzung über „das, was
ist“ gehört zu den Grundaufgaben der Kunst.

Dabei geht es aber nicht nur um die Frage nach einer neuen Ästhetik,
sondern auch um die Hinterfragung der Werkzeuge.

Und hier sind wir wieder bei einigen Aufgabenstellungen unseres
Modellversuchs:

Künstler mit den neuen Maschinen und Technologien in Kontakt bringen,
Erfahrungen an der Schnittstelle Mensch-Maschine zu machen und mehr
Kompetenz im Umgang mit neuen Medien und Technologien zu erlangen.

Wie sind wir diese Aufgaben angegangen?

Zunächst ist hier an die konkrete Ausgangssituation an der Hochschule
und in Dresden zu erinnern:

Die „Projektklasse Neue Medien“ist eine Neugründung an einer wegen
ihrer bildkünstlerischen Traditionen berühmten Akademie.
Hier gibt es Ateliers, wo Dix an der Staffelei stand.
Dresden ist auch der Ort, wo Bakunin mit Richard Wagner Barrikaden
baute, die Gottfried Semper entwarf und wo E.T.A. Hoffmann das Märchen
vom „Goldenen Topf“ schrieb.

Hier herrscht eine seltsame Grundstimmung aus falschem Barock und
trägem Historismus, der bisher jede Avantgarde alsbald vertrieb.

Aus der lieblichen Landschaft weht ein träges, fast orientalischen
Lüftchen, und assoziiert ein wohliges Hingestrecktsein und schläfriges
Tempo - gepaart mit dem weichen Singsang des Dresdner Hochsächsisch und
fast naiv anmutender Naturseligkeit.

All das scheint seit den Tagen von Canaletto, Caspar David Friedrich,
Gottfried Semper, Ludwig Richter bis in die Gegenwart zu Georg
Baselitz, Gerhard Richter oder A.R. Penck tief in die Landschaft, das
Wesen der Menschen, der Architektur und auch der Hochschule selbst
eingeschrieben zu sein.

Das macht für mich die Eigenheiten, den Reiz und den genius loci
Dresdens aus.

Den gilt es zu beachten, und die darin verborgene Kraft zu nutzen.

Diese Kraft ist ein scheinbar ungebrochenes Vertrauen in das
„Künstlerische“ an sich, das „Sehen“ und in die Notwendigkeit von
Bildern und Malerei.

Kritische Diskurse, harte grundsätzliche Diskussionen und die im
Medienalltag verlangte Fixheit sind hier allerdings scheinbar fremde
Elemente.

Diese Entwicklungen scheinen an Dresden und der Hochschule weitgehend
folgenlos vorbeigegangen zu sein. Das vorsichtige Hineintragen dieser
Dinge nach der Wende hat nicht viel daran ändern können.

Viele der Bewerber, die nach Dresden kommen, wollen Maler werden.
Der Boom für Malerei in den letzten Jahren auf dem Kunstmarkt hat das
noch einmal angefeuert.

Dennoch sind fast alle dieser Studenten mit den neuen Medien
aufgewachsen oder kommen in irgendeiner Weise, sei es in der Schule
oder im Alltag, damit in Berührung.

Ein Interesse, zumindest sich passiv reflektierend damit
auseinanderzusetzen, war also anfangs vorhanden. Auch eine Anzahl
Studenten, die ganz gezielt auf die Eröffnung dieser Projektklasse
gewartet hatten. Dazu kam eine kleine Anzahl von Irrläufern und von der
Malerei abgefallenen Renegaten, die „irgendetwas Anderes“ suchten. Aber
alle dieser Studenten treten an, um „freie Künstler“ zu werden.

Die Eröffnung einer Medienklasse an der Hochschule für Bildende Künste
im Mai 2000 war also die überfällige Reaktion auf neue Entwicklungen im
Bereich der Bild- und Kommunikationsmedien, und auf einen an der
Hochschule vorhandenen Bedarf.

Mit dem Begriff "Neue Medien" waren Medien gemeint, die "neu" waren im
Sinne von "bisher nicht in einer dafür spezialisierten Fachklasse an
der Hochschule für Bildende Künste in Dresden gelehrt“, wie etwa
Fotografie, Film, Video und Netzkunst.

Diese Medien, im Verbund mit Computern, erweitert um Klangkunst,
Reportagetechniken, Multi- oder Mixed-Media sind heute feste
Bestandteile moderner Bildender Kunst und werden in unterschiedlichen
Konstellationen arrangiert und collagiert.

Der Ansatz der Projektklasse Neue Medien zielte von Anfang darauf,
eine Plattform für die notwendige und spannende Erforschung von Fragen
wie: was ist ein "Bild"? wie gehen wir mit den neuen "Bildtechniken"
um? wie soll das Mischungsverhältnis von "Bewahren" und "Erneuern" in
Bezug auf klassische Techniken (analog) und neue Techniken (digital)
sein?

Der Modellversuch erlaubte es uns, diese Fragen experimentell zu
untersuchen, und die gewachsenen historischen Strukturen der Hochschule
mit neuen Techniken, Lehransätzen und Gedanken zu hinterfragen und
Vorschläge zu deren Erweiterung zu machen.

Dabei waren die an der Hochschule existierenden "klassischen"
Strukturen, handwerklichen Fachkenntnisse und Fertigkeiten kein
"altmodischer Hemmschuh", den es schleunigst zu beseitigen und zu
ersetzen galt, sondern eher ein noch gar nicht hoch genug
einzuschätzender Standortvorteil.

Während an anderen Medien- und Kunsthochschulen häufig die Vermittlung
von Grundlagenkenntnissen im Bereich Zeichnen, Malerei, Grafik,
Anatomie usw. in den letzten 10 Jahren zugunsten neuer Techniken und
Medien ersatzlos gestrichen wurde, blieb das, aus welchen Gründen auch
immer, in Dresden erhalten.

Das ist gut so, und muß erhalten werden.

Mehr Medienkompetenz ist ohne eine "klassische" handwerkliche
Vorbildung und "Unterfütterung" nicht zu erlangen.

Deshalb galt dem Zusammenwirken von alten und neuen Medien unsere
besondere Aufmerksamkeit.

Welche Lehrangebote wurden durch den Modellversuch zusätzlich
ermöglicht, und welche Erfahrungen haben wir dabei gemacht?

Im ersten Jahr, im Sommersemester 2001, wurde ein spezielles, sehr
umfangreiches und kompaktes Seminar- und Workshop-Angebot entwickelt,
dass einerseits den kompletten Ablauf im Bereich Film und Video: vom
Script, also der Fixierung einer Idee, über die Realisierung und
Umsetzung bis hin zur Endbearbeitung umfaßte - und andererseits auch
den Überblick über Probleme und Möglichkeiten computergestützter
Medienkunst ermöglichte.

Diese Seminare wurden von mehreren „Mediensalons“begleitet, einer
speziellen Veranstaltungsreihe der Projektklasse Neue Medien, wo für
diese Programmatik wichtige Künstlerpersönlichkeiten und Theorieansätze
vorgestellt und diskutiert werden konnten.

Die Idee war, eine Topologie oder einen Grundriß der genannten Medien-
und Kunstfelder zu entwerfen, dabei ihre Geschichte, ihre Grundlagen
und ihre zum Teil enge Verzahnung und Überlappung zu beachten, und, von
den Basics in Fotografie, Film, Video, Klang- und Medienkunst ausgehend
dann den einzelnen Verästelungen ihrer Entwicklung bis in die Gegenwart
zu folgen, um so zum Beispiel zur Gestaltung einzelner Effekte, wie 3D
Animation mit Flash, zu gelangen.

Deshalb war auch das Motto für die erste Seminarserie:

„Die Geburt der heutigen „neuen Medien“ erfolgte in den Zauberbuden der
Jahrmärkte des 18. Jahrhunderts - eine Entwicklung, die von Zauber-,
Licht- und Animationseffekten über Fotografie, Film und Video hin zur
heutigen Medienkunst führte.

In mehreren Seminaren und Mediensalons wird über Entstehung,
Zusammenhang und Materialität dieser Entwicklung informiert“.

Über das erste Seminar mit dem Berliner Medienkünstler Peter Dittmer
möchte ich nun gern stellvertretend etwas ausführlicher berichten.

Das Seminar hiess: Die Amme/Affairen mit Apparaten und war gekoppelt
mit einer Ausstellung Peter Dittmers im Oktogon der Hochschule, wo
seine Apparaturen zu besichtigen und interaktiv zu erfahren waren.Das
sind umfangreiche Maschinen, die mit von Dittmer selbst entwickelten
Computerprogrammen die Problematik künstlicher Intelligenz zur
Diskussion stellen.

Aufbauend auf diese Ausstellung war das Ziel des Workshops, innerhalb
von insgesamt 7 Zyklen mit je drei ganztägigen Lehrveranstaltungen,
sowohl globalen Überblick als auch intimeren Einblick in Probleme und
Möglichkeiten computergestützter Medienkunst zu geben.

In der Medienklasse lokalisiert, baute er auf dem dort vorhandenen
Equipment (3 G3-Macintosh, 1 Beamer) auf, zuzüglich dreier, zu diesem
Zweck geliehener Windows-PC. In der Endphase wurden noch mehrere
private Rechner eingebunden.

Der Workshop konnte dabei weder in Inhalt, noch in Material und
Zielstellung auf vorhandene Erfahrungen an der HfBK zurückgreifen.

Auch nach einer vorgeschalteten Informationsveranstaltung im Februar
2001, die zum „warm up“ der Thematik dienen sollte, war bis zum Beginn
des Workshops weder klar, wieviele Teilnehmer zu erwarten sind, noch
auf welches Interesse und auf wieviel bereits erworbene Kompetenz man
würde aufbauen können.

Und tatsächlich waren die ersten beiden Zyklen geprägt von ständig
wechselnden Teilnehmern, die eher peripher und allgemein interessiert
waren, vielleicht en passant einen spannenden Vortrag zu hören, aber
weit entfernt, sich auf eine längere und intensivere Affaire
einzulassen.

Es schien, dass sich dieses Angebot zur Arbeit mit neuen Medien, erst -
und möglicherweise jedesmal aufs neue - einen Platz in der
Aufmerksamkeitsökonomie der Studenten erobern mußte.

„Auf Studenten, welche gezielt und zur direkten Unterstützung ihrer
Arbeit nach einer Weiterbildung im medialen Bereich suchen, bin ich in
Dresden nicht getroffen“, schrieb Peter Dittmer.

„Gleichzeitig wurde offensichtlich, daß die Affaire von Kunst und
Computer in diesem Kreis zwar auf wenig Kenntnis, aber viel verfestigte
Meinung und Vorbehalt stiess - als Reflex auf die atem- wie kritiklosen
Enthusiasmen der letzten Jahre sicher verständlich. Und so haben wir
auch einige Zeit mit der grundsätzlichen Diskussion des Mediums
verbracht, und manchmal auch mit der seiner Kunstfähigkeit.

Überraschend für mich war das gleich am Anfang geäusserte einhellige
Interesse an Programmierung und die ebenso einhellige Gleichgültigkeit
gegenüber Webdesign und klassischen Autorenprogrammen. Dazu gab es eine
verbreitete Skepsis gegenüber materialisierten Ergebnissen, also der
Rückführung digitaler Prozesse in reale Objekte.
Es schien, dass die angebotene Thematik gerade auf die Grenzgänger
anziehend wirkte, auf die Materialflüchtlinge, die in der digitalen
Entlastung von Objekt und endgültig formulierter Dramaturgie ihr
künstlerisches Heil suchen.

Es musste sowohl der Workshop als attraktives Arbeits- und
Vermittlungsinstrument beworben und in einer stabilen Teilnehmergruppe
etabliert werden, als auch - mit Respekt gegenüber den Auffassungen der
Studenten - vielerlei Grundsätzliches neu beleuchtet und diskutiert
werden.

Gleichzeitig musste, in Rücksicht auf viele Teilnehmer, denen noch
wesentliche Basisfähigkeiten fehlten, möglichst rasch eine gemeinsame -
technische - Handlungsebene hergestellt werden. So gab es, verstreut
über die einzelnen Tage praktische Einführungen zu HTML,
Bildbearbeitung und
einfachster Programmierung.

Für Vermittlung, Austausch und Diskussion von Material und Ideen, auch
über die oft zweiwöchigen Pausen hinweg, wurde gleich zu Beginn eine
Website etabliert (www.projektklasse.de), die für die Zeit des
Workshops zur tragenden Struktur der internen Verständigung wurde und
gleichzeitig die Studenten animierte, sich mit den dafür notwendigen
Werkzeugen (Textverarbeitung, Photoshop, Dreamweaver) vertraut zu
machen.

Nach Neigung, Vorwissen und persönlichem Bezug bildeten sich in
kürzester Zeit Kleingruppen von je zwei bis drei Leuten, die gemeinsam
am jeweiligen Modulprojekt arbeiteten:
"Madonna HTTP", ein im Sprach- und Bildreservoir des Internets sowohl
sammelndes, als auch ordnendes und manipulierendes Instrument.
"Fitness", ein geschlossener rechnerinterner Ansatz, der mit der durch
Darstellungsarbeit erzeugten Temperatur im Rechner wiederum auf eben
diese Darstellung rückwirkt.
"Gemütsschachtel", ein im allerersten Stadium sehr romantisches, auf
medial vermittelte und manipulierte Interaktion zwischen
Publikumsgruppen zielendes Konzept, das den Computer wieder auf seinen
Schaltercharakter zurückführt.
Und als gemeinsamer, rein konzeptioneller Ansatz:
"Shared Personality", eine Konstruktion von Mischpersönlichkeiten, die
nur auf der Basis von stellvertretender, also quasi-wirklicher
persönlicher Präsenz aufbaut und gleichzeitig bis dahin die Dynamik der
Workshopgruppe am adäquatesten aufzunehmen schien.

Die letze Phase des Workshops diente ausschliesslich dem Vorantreiben
der Einzelprojekte.
Am letzten Tag gab es eine workshopinterne Präsentation aller Arbeiten.

Als Resümee und vielleicht nützliche Anregung für kommende Projekte
ähnlicher Art:
Die HfBK, sicherlich auch in Zukunft in erster Linie den traditionellen
Medien und Materialien verpflichtet, scheint trotzdem - oder gar
besonders - ein geeigneter Ort für ein Angebot wie diesen Workshop.

Eine Weiterentwicklung der Medienkunst braucht die Erfahrungen der
klassischen Künste, um den 3/4Ingenieur-1/4Künstler zu überwinden - und
den einseitigen Fokus auf den technischen Hype.

Eine technische Ausstattung wie die vorhandene kann auf Dauer dafür
nicht ausreichen.
Die drei vorhandenen Zugänge zum Hochschulnetzwerk und damit zum
Internet reichen keinesfalls aus, das führt zu ständigen Konflikten,
zumal die Medienklasse ja auch parallel zum Workshop von anderen
Studenten genutzt wird.

Der 14-tägige Rhythmus funktionierte, wenn die Gesamtveranstaltung
attraktiv genug für die Studenten war.

Eine kontinuierliche Präsenz aller Beteiligten blieb aber ein
Glücksfall."

Soweit Peter Dittmer in seinem Resumeé.

Aus meiner Sicht war ein Problem, dass sich mit dem Seminar eine kleine
Gruppe gebildet hatte, die zur Klasse hin hermetisch war. Es waren ja
von den Studenten der Projektklasse nur zwei an diesem Seminar
beteiligt, die anderen wollten lieber weiter an ihren Projekten im
Bereich Fotografie, Film und Video arbeiten.

Mein Versuch, beide Gruppen zusammenzuführen, blieb unbefriedigend, es
kam zu keiner Interaktion.

Nach Abschluß des Seminars war mit der Fertigstellung des Tonraums
endlich die Installation der Basistechnik in der Projektklasse beendet.

Der Tonraum war wichtig für die darauffolgenden Gastseminare: „Script“
mit der Berliner Dramaturgin Tamara Trampe, „Gestaltungsmöglichkeiten
Musik/Ton für Film, Video und Multimedia“ von Prof. Jörg Lensing von FH
Dortmund und das Schnittseminar der Cutterin Margot Neubert-Maric´ aus
Hamburg.

Daran schloß sich unmittelbar das Seminar Gestaltung einer Website und
Video Streaming vom Atelier Doppelpunkt, Berlin, an.

Dieses 3-monatige Seminar mit Workshop hatte die Vermittlung von
Gestaltungsgrundlagen für Künstlerinnen und Künstler zur Gestaltung
einer Website zum Ziel.

Das hiess: Organisieren von Bild und Text im Internet - Kommunizieren
und Darstellen künstlerischer Strategien und Projekte - Alte Medien <>
Neue Medien? -wie strukturieren? -wie nutzen? -wie kommunizieren?

Das Ergebnis des Seminars war die Klassenwebsite der Projektklasse,
die von den Studenten Svantje Bußhoff und Heide Hinrichs (eine
Studentin aus der Fachklasse Ulrike Grossarth), gestaltet wurde und
heute von dem Studenten Henrik Busch betreut wird.

*
Seit dem Jahr 2000 besitzt die Hochschule für Bildende Künste wieder
einen Krass-Tricktisch, der auf meine Anregung in Zusammenarbeit mit
dem Filmverband Sachsen in der Güntzstraße installiert wurde.

Dresden war ja bis 1989 ein Standort für den Animationsfilm,
hier stand mit dem Defa-Studio für Trickfilme eines der größten Studios
für Animationsfilme in Europa.

An der Hochschule für Bildende Künste Dresden wurden in einer
Trickfilmklasse, in Zusammenarbeit mit der Hochschule für Film und
Fernsehen in Babelsberg, bis in die 80er Jahre Aninmatoren und
Trickfilmregisseure ausgebildet.

Es lohnt sich durchaus, über die Erfahrungen dieser Zusammenarbeit
unter heutigen Gesichtspunkten neu nachzudenken.

Die nun vorhandene, wenn auch unvollständige, Basistechnik gab uns die
Möglichkeit, Seminare für die Grundlagen der Animation anzubieten.

Zunächst wurden die Genres des Animationsfilms, wie
Zeichentrick/Flachfigur - Legetrick - Materialanimation -
Non-Camera-Animation vorgestellt.

In einem zweiten Seminar mit den Filmemachern Kirsten Winter und Thomas
Bartels, beide im Bereich des Experimentellen Trickfilms international
erfolgreich, boten wir ein 2-teiliges Blockseminar an, das auch
praktische Übungen am Tricktisch einbezog.

Warum, so wurden wir anfangs oft gefragt, ein Seminar mit analoger
Technik, obwohl doch in der Projektklasse neueste Software für
3D-Animation zur Verfügung steht?

Vom praktischen Standpunkt aus betrachtet sind digitale Kameras
sicher leichter, Cassetten billiger und die Ergebnisse von
Bildbearbeitungen schneller sichtbar.

Selbst Pioniere des Experimentellen FILMS wie David Larcher schwaermen
heute davon, ihr gesamtes filmisches Werk auf DVDs kopiert in der einen
Hosentasche mit sich zu tragen und in naher Zukunft den entsprechenden
Player in die andere Tasche zu stecken.

So liesse sich ein unabhaengiges Kino weltweit zu Fuss herumtragen.

Doch, in absehbarer Zeit wird Film nicht verschwinden und neben diesem
praktischen gibt es noch einen konzeptionellen Standpunkt:

Es gibt beim Film den direkten Kontakt mit Material und Bild. Dieses
auch haptisch interessante Arbeiten ermöglicht ein gutes Begreifen der
auch für andere Medien wichtigen Grundelemente Zeit, Licht, Bewegung
und Rhytmus.

Das fuehrt zu einem unmittelbaren und pyhsisch begreifbarem kreativen
Prozess der wichtig ist, um ein persoehnliches Ausdrucksmittel zu
finden: eines, das den Faehigkeiten der Studenten entspricht, und ihre
Vorstellungen von den unterschiedlichen Materialitaeten der Arbeit
schult.

Am Ende beider Veranstaltungen konnten sich die Studenten jeweils
mindestens eine Viertelstunde Film im Kino anschauen: Zeichentrick und
Legetrick, Animationen dreidimensionaler Objekte mit einzelbildweise
bewegten Lichtquellen, Fotogramme, Kamerafahrten und mit verschiedenen
Geschwindigkeiten ueberblendete Bildfolgen.

Resumeé nach der ersten Seminarserie

Die eingeladenen Seminarleiter waren international ausgezeichnete und
erfahrene Profis, die diese Seminare auch an anderen Kunst- und
Medienhochschulen halten, von Kiel bis München, und auch international.
Das Fazit dieses ersten Durchganges, unisono fast aller Seminarleiter,
das ich bestätigen konnte:

„Die Studenten sind nett. Sie wissen nichts“.

Das betraf die in der Projektklasse eingeschriebenen Studenten, die
sich ja bewußt für diese Fachrichtung entschieden hatten, und noch mehr
die Studenten aus den Fachklassen für Malerei und Bildhauerei, die nur
mal „so schnuppern“ wollten.

Das Level, auf dem Wissen und konkrete Arbeit angeboten und abverlangt
wurde, schien für Dresden zu hoch.

War das nun schrecklich? Oder wunderbar?

Wie konnte man das ändern? Sollte man das überhaupt ändern?

War nicht gerade für den Typ des „genialen Dilletanten“ eine
anscheinend immer einfacher zu bediende digitale Aufnahme- und
Wiedergabetechnik entwickelt worden?

Sollte man also sagen: wunderbar, hoffentlich bleibt das noch lange so,
denn dieser Zustand ist für eine spontane, frische und unverbildete
junge Kunst das Beste, was es geben kann.

Von Seiten der Studenten fiel in der Diskussion über ein Seminar der
Satz: „Das Seminar war zu professionell-autoritär.“ Dem wurde
entgegengehalten: „Die Zeiten von unprofessionell-antiautoritär sind
vorbei“.

Hier galt es, die geeignete Mischung noch zu finden

Wie konnte man, ohne den Anspruch einer Fachklasse aufzugeben,
einfachste Grundlagen medialer Gestaltung vermitteln, die
offensichtlich fehlten?

Wo sollte man das Level dafür ansetzen?

Sollte man überhaupt Levels ansetzen?

Wie konnte man, ohne notwendige Standards aufzugeben dafür sorgen, dass
die Studenten ihre eigene Stimme finden und deren Stärken und Schwächen
kennenlernen konnten? Wie konnte man sie unter diesen Voraussetzungen
am besten dabei unterstützen, sich selbst zu finden?

Andererseits schien bei bedingungslosem Aufrechterhalten
professioneller Standards das zaghaft keimende Pflänzlein des
Interesses in Gefahr, wieder zu verblühen.
Denn es schien durchaus möglich, dass sich die Studenten dann lieber
wieder den klassischen Betätigungsfeldern zuwenden würden, und auf die
als zu aufwendig empfundene grundsätzliche Auseinandersetzung mit den
neuen Medien verzichten würden.

Also haben wir das Anforderungsprofil gesenkt.

Zudem wurde ein größerer Betreuungsaufwand für Einzelbetreuung
eingeräumt.

Und, wir sind bei der Auswahl sowohl der Seminarleiter und des
Lehrstoffs wie auch der Art und Weise der Vermittlung genauer auf das
vorhandene Wissen und Potential eingangen.

Zum Beispiel im Animationsseminar mit Lutz Garmsen, der an der
Kunsthochschule für Medien in Köln unterrichtet.

In diesem Seminar wurde die Arbeit mit Direktfilm-Animation ohne
Verwendung einer Kamera weitergeführt, wobei weiterführend das Material
provisorisch vom Schneidetisch mit DV abgefilmt wurde, um es dann im
zweiten Teil des Seminars digital weiter zu bearbeiten.

Und hier schloß ein Kreislauf, der verschiedene Grundelemente aufnahm
und in jeweils neue und spannende Zusammenhänge brachte:

Zeichnung - Grafik - Malerei - Bewegung - Licht - Animation - Film -
Video- eine Geschichte - Sprache - Musik - den Übergang von analoger in
digitale Technik und Bearbeitung.

Dieser Ansatz wurde fortgeführt mit dem Seminar
„digitale Schnittsysteme“
• dem Seminar Combustion", das Im Anschluss an das Animationsseminar
mit Lutz Garmsen stattfand
• mit dem Seminar 3 D Animation "Flash":
Einführung in die Programmierung von multimedialen Projekten mit dem
Authoringtool Flash.
• mit dem Seminar 2 D Animation "Maya"
Aufbauend auf den bisherigen Animationskursen sollte nun der Schritt in
den virtuellen 3D-Raum im Computer gegangen werden.

Interessante Überlappungen und Verbindungen vom Animationsseminar gab
es zu den beiden Seminaren zu Grundlagen der Fotografie,„Kunst mit
Gerätschaften“ und „Fotografisches Fundbüro“.
Hier wurden mit der „camera obscura“, mit der Lochkamera und in
mehrtätigen Kompaktveranstaltungen speziell an der Schnittstelle
Malerei/Grafik-neue Bildtechniken die Möglichkeiten der Fotografie als
künstlerisches Medium vorgestellt. Dabei stand die praktische Arbeit
mit den fotografischen Mitteln im Vordergrund.

Einige Ergebnisse dieser Seminare werden am heutigen Nachmittag
detaillierter vorgestellt, und auch durch eine Ausstellung im
Senatssaal ergänzt.

War der Modellversuch nun erfolgreich?

Oder ist nur zu konstatieren, „das Geld ist weg, die Schande bleibt?“

Ich würde es so sagen: Wir haben wichtige Teilerfolge erzielt.

Zunächst einmal konnten wir durch die Mittel aus dem Modellversuch
Anschaffungen für Technik und Ausstattung machen, die uns in den Stand
versetzte, die Seminare und Workshops unter professionellen bzw.
semi-professionellen Bedingungen durchzuführen.

Weiter zu den Erfolgen zähle ich eine im Vergleich zur
Ausgangssituation gesteigerte Nachfrage für unsere Angebote, die ganz
langsam wächst.

Der Modellversuch hat in ganz erheblichem Maße dazu beigetragen, daß an
der Dresdner Hochschule ein neuer Transfer zwischen bildkünstlerischen
und technologischen Verfahren überhaupt erst als Möglichkeit in den
Blick kam.

Für die geplante Erstellung von entsprechenden Lehrmodulen und deren
Verankerung als ständig angebotenes Ausbildungsprogramm an der
Hochschule konnten Erfahrungen gesammelt werden.

Der angestrebte homogene Wissensstand der Seminarteilnehmer im Bereich
Neue Medien/neue Bildtechniken/Film-Foto-Video konnte durch die in den
Seminaren und Workshops vermittelten Kenntnisse verbessert werden.

Der Einsatz neuer Medien und die intensive Auseinandersetzung mit neuen
technologischen Entwicklungen macht die an der Hochschule bisher eher
selten praktizierte künstlerische Arbeit in Teams (deshalb sollte schon
im Grundstudium angeregt werden in Teams zu arbeiten) erforderlich.

Besonders deutlich zeigte sich dies in den Seminaren „Kunst mit
Gerätschaften“ und „Experimenteller Animationsfilm“, welche die
Teamarbeit voraussetzten.

Grundsätzlich bewährt hat sich der Ansatz, die Angebote fachbereichs-
und fachklassenübergreifend offen zu halten, um so eine stärkere
interdisziplinäre Durchlässigkeit innerhalb der Hochschule zu
erreichen.

Das wurde positiv angenommen.

Zu den unbestreitbaren Erfolgen gehören auch die überregionalen und
internationalen Präsentationen von Arbeiten der Studenten und
Meisterschüler, deren Fertigstellung wesentlich durch die Seminare im
Modellversuch beeinflußt wurden.

Im Mai 2001 war das unter dem Titel „screenings 08“ eine Ausstellung
mit Filmprogramm der Projektklasse Neue Medien im Museum für Moderne
Kunst in Frankfurt am Main. „screenings“ ist eine Programmreihe des
Museums, das dem Frankfurter Publikum Arbeiten von Studenten und
Absolventen von 8 Film- und Kunsthochschulen vorstellte, in dessen
Rahmen unsere Klasse die Hochschule „mit einem eindrucksvollen Programm
repräsentierte“, wie die FAZ am 21.05.01 in ihrer Rezension vermerkte.

Ein nächster Höhepunkt war die Fertigstellung eines 70minütigen
Spielfilms mit dem Titel „Zero“ von Berthold Bock und Frauke Menzinger,
der auf dem Internationalen Filmfest Dresden Premiere hatte, und mit
Unterstützung der Mitteldeutschen Medienförderung entstand.

Der Teppichfußboden, den Sie hier sehen, und Teile der Ausrüstung des
Tonraumes sind von den Rückflüssen aus diesem Projekt bezahlt und
verweisen auf den engen und erfolgreichen Praxisbezug unserer Arbeit.

Im Jahr 2001 begann auch eine enge und fruchtbare Zusammenarbeit mit
dem Internationalen Filmfest Dresden, die zu gemeinsamen
Veranstaltungen und zur Präsentation eines Film- und Videoprogramms
von Studenten und Meisterschülern der Projektklasse in New York führte.
Die Vorführung fand mit Unterstützung des Goethe Institutes im Rahmen
des jährlichen Filmfestivals „New York Expo“ im legendären Anthology
Film Archives statt, und der Auftritt in New York war für die Studenten
ein schönes Erlebnis und großer Erfolg.

Zum diesjährigen Filmfest zeigte die Klasse in zwei Vorführungen ein
90minütiges Programm, das viel Beifall und ein gutes Presseecho fand.

Das aktuellste Projekt in der Zusammenarbeit mit dem Dresdner Filmfest
ist die Planung eines Internationalen Kongresses mit dem Titel:
„German Animation in the European Context“, in Kooperation mit dem
Deutschen Institut für Animationsfilm und der Internationalen „Society
for Animation Studies“ in London, der nächstes Jahr in der Hochschule
stattfinden soll.

Aber auch zum nahen Prag gab es gute Kontakte und Zusammenarbeit.

So wurde der Diplomfilm von Claudia Franz aus Mitteln des
Deutsch-Tschechischen Zukunftsfond unterstützt, und mit einem
gemischten deutsch-tschechischen Team realisiert.

Einzelpräsentationen von Studenten und Meisterschülern in Galerien,
Beteiligung an Gruppenausstellungen und der Gewinn zahlreicher
Stipendien runden die Bilanz ab.

*

Das sind schöne und wichtige Erfolge, dennoch sind wir insgesamt nicht
zufrieden. Im Medienalltag der Hochschule wie der Projektklasse gibt es
zuviele Dinge, die noch nicht funktionieren, aus Mangel an Wissen,
Engagement, Mitteln und wegen verbesserungswürdiger Strukturen an der
Hochschule ganz allgemein.

Die Initialzündung in der von uns erwarteten Intensität bei den
Studenten und Meisterschülern ist ausgeblieben.

Eine eindeutige Erklärung konnten wir dafür nicht finden.

Zum einen scheint diese, zumindest teilweise, in den historisch
gewachsenen (oder eben nicht gewachsenen) Strukturen der Dresdner
Hochschule und des "Dresdner Umfelds" zu liegen, wo Fotografie, Design,
Film, Video oder andere grenzüberschreitende Techniken nie richtig
heimisch waren, und deshalb wenig Traditionen existieren.

Zum anderen sind die Studenten z.T. oft noch unsicher, ob die ihnen
angebotenen Seminare und die sich daraus ergebenden Konsequenzen in
puncto Intensität, Zeitaufwand, Handwerk auch tatsächlich für
Studenten, die „Künstler“ - und nicht „Filmemacher“ oder „Webdesigner“
werden wollen, notwendig sind.

Es fehlt eine „offene Werkstatt“, wo Studenten auch mal unverbindlich
und außerhalb von Seminaren und projektorientierter Arbeit sich den
Geräten annähern und sich damit vertraut machen können.

Eine Ursache scheint vielleicht auch im aktuellen Selbstbild vom
„autonomen Künstler“ zu liegen, das im Zusammenspiel von Kunstheorie,
Kunstmarkt und Medien entworfen und vermittelt wird.

Dieser Künstler scheint mühelos auf alle Medien Zugriff zu haben, kann
damit spielen und diese mischen wie er lustig ist, und hat vor allem
mit den (so scheint es) schnell hergestellten Produkten viel Erfolg.
Sich lange mit Handwerk und Basics zu beschäftigen, scheint
demgegenüber viel zu zeitraubend und uncool. Man möchte lieber nur „ein
bischen Film“, „ein bischen Video“, „ein bischen mal was am Rechner
machen“, und ist erschrocken, wenn sich das dazugehörige Feld von
Möglichkeiten und den damit verbundenen handwerklichen Konsequenzen und
dem damit verbundenen Zeitaufwand eröffnet.

Oft halbierten sich nach dem ersten Tag die Teilnehmerzahlen einiger
Seminare. Zudem fehlt für das „Erlernen“ von handwerklichen
Fähigkeiten, die sich oft nicht von den künstlerischen trennen lassen,
immer noch oft das nötige Grundwissen.

Notwendig ist also, neben der Vermittlung von unverzichtbaren Basics
und Standards im Grundlagenstudium, auch eine Kultur der
Auseinandersetzung über solche Fragen, die den Studenten eine harte,
aber reale und damit ökonomische Einschätzung ihrer Fähigkeiten
erlaubt.

Was ist zu tun?

Um aus den genannten positiven Einzelbeispielen die als Ergebnis des
Modellversuchs gewünschte Nachhaltigkeit und Verstätigung zu erreichen,
ist eine Neustrukturierung der Ausbildung im Medienbereich anzustreben.

Es zeigen sich bei den bisher aus dem Grundstudium in die Projektklasse
übernommenen Studenten und den Teilnehmern fast aller Seminare und
Kurse deutliche Defizite im Bereich der grundsätzlichen Kenntnisse über
den Umgang, Geschichte und künstlerische Praxis mit/von Medien (Foto,
Film, Video, Multimedia).

Es ist wichtig, das die Studenten schon vor dem Wechseln in eine
Fachklasse mit diversen Medien, ihren Spezifika und
Gestaltungsmöglichkeiten konfrontiert und vertraut gemacht werden.

Dafür möchte ich nun einige konkrete Vorschläge machen, die unsere
Erfahrungen im Modellversuch berücksichtigen.

Wer sich mit den neuen Technologien einläßt, muß deren Entwicklung
folgen. Die dadurch unablässig notwendige Auf- und Nachrüstung der
Technik hat sowohlKonsequenzen für die personelle Infrastruktur - und
ist natürlich unauflösbar verknüpft mit der inhaltlich-künstlerischen
Ebene.

Wenn man die neuen Medien verstärkt in die Lehre integriert, und mehr
und mehr Studenten dafür interessiert, hat man die Verantwortung,
diesen Studenten eine ausreichende Lehr- und Technikstruktur zur
Verfügung zu stellen.

Wie ist unsere Situation nach Wegfall der zusätzlichen Mittel aus dem
Modellversuch:

Es ist zuviel da, um aufzuhören. Es ist zu wenig da, um mit dem uns aus
dem Hochschuletat zugeteilten Sachmitteln auf dem bisher erreichten
Niveau weiter arbeiten zu können, geschweige denn, dieses Niveau weiter
entwickeln zu können.

Für die Weiterführung der beschriebenen Ansätze nach dem Ende des
Modellversuchs müssten also weiter zusätzliche Mittel bereitgestellt
werden.

Auch ist die langfristige Sicherung der zur Projektklasse gehörenden
künstlerischen Assistentenstelle unbedingt notwendig.

Darüber hinaus muß eine engere Anbindung und Verzahnung der technischen
und personellen Infrastruktur der Projektklasse mit der im Fachbereich
II, Güntzstraße, angesiedelten "Videowerkstatt" erfolgen.

Bisher erfolgte in der Videowerkstatt die Vermittlung eines begrenzten
Grundlagenangebots im Bereich Film/Video - Licht/Ton - Kamera-Licht-
und Schnitttechnik, das von Studenten des FB 1 genutzt wurde.

Die Neubesetzung dieser Stelle muß die Kontinuität dieses Angebots
wahren.

2

Ich möchte Ihnen nun ein Konzept für die künftige Medienausbildung an
der Hochschule für Bildende Künste Dresden vorstellen.

Wenn die mit erheblicher Unterstützung des Bundesministeriums für
Wissenschaft und Kunst und des Sächsischen Staatsministeriums
entwickelten guten Ansätze weitergeführt werden sollen, ist aus unserer
Sicht folgendes notwendig:

1) Technik allgemein
Eine grundsätzlich durchdachtere Planung bei der Anschaffung
neuer Technik in den verschiedenen Fachbereichen der Hochschule
ist notwendig.

Die in nicht unerheblichem Umfang im Fachbereich I vorhandene,
und über mehrere Klassen verstreute Technik ist bisher weder inhaltlich
noch technisch vernetzt

Das fordert mehr Transparenz und Abstimmung als bisher.

2) Grundlagenstudium

Im Grundstudium müssen Grundlagen des medialen Gestaltens vermittelt
werden, auf die im Fachklassenstudium aufgebaut werden kann.

Es ist notwendig dafür eine offene „Medienwerkstatt Grundstudium“
einzurichten, mit offenenem Zugang für die Studenten des Grundstudiums
und aus den anderen Fachklassen am Brühl.

Voraussetzung ist der Nachweis, an Einführungsseminaren für die
angebotene Technik teilgenommen zu haben. Diese Seminare bieten
Grundkenntnisse zur technischen Bedienung der Geräte an.
Diese Medienwerkstatt bietet darüber hinaus Kurse an, die Grundlagen in
den Bereichen Script/Storyboard/Projektbeschreibung -
Bildschnitt/Bildmontage - Tonaufnahme/Tonbearbeitung- und Montage -
Licht/Beleuchtung - Animation vermittteln.

Diese Kurse sind Teil des Grundlagenstudiums, vorrangig für Studenten,
die schon bei der Bewerbung und Aufnahmeprüfung sich für eine
zusätzliche Medienausbildung entschieden haben.

Unser Vorschlag ist, diese „offene Medienwerkstatt“ in den dem
Grundlagenstudium zur Verfügung stehenden Räumen einzurichten, und auch
für Studenten anderer Fachklassen am Brühl zu öffnen,
die nicht projektbegleitet arbeiten möchten.

Die künstlerische Leitung sollte bei Prof. Christian Sehry liegen.

Die technische Betreuung könnte ein künstlerischer Mitarbeiter/in
auf der Basis einer unbefristeten Stelle (40 Stunden) übernehmen,
der/die und verantwortlich ist für:

-die Durchführung der Einführungskurse für technische Bedienung der
Hard- und Software

- die Wartung des Netzwerks und Durchführung von Grundlagenkursen
für Script/Storyboard/Projektbeschreibung - Bildschnitt/Bildmontage -
Tonaufnahme/Tonbearbeitung- und Montage - Licht/Beleuchtung -
Animation.

Diese Stelle wäre neu zu schaffen., und könnte auch geteilt werden in
zwei 20 Studen-Stellen, um so noch die auf mehrere Fachklassen
verstreute Technik mitbetreuen zu können.

Ein Teil der für die „offene Werkstatt“ benötigten Technik ist mit der
Neuberufung von Prof. Sehry schon bewilligt worden, bzw. installiert.
Es sollte insgesamt zur Verfügung stehen:

als Hardware:
3 Rechner Macintosh
1 Scanner
1 Drucker
1 Camcorder MiniDV
1 digitaler Fotoapparat
1 Dedolight Set Lampen und Kabel
1 Mikrophonset und Zubehör
Internetanschluß
An Software:
Photoshop, QuarkXPress, Final Cut

Die Technik der „Offenen Medienwerkstatt“ mit der Technik der
Projektklasse Neue Medien und der ehemaligen Videowerkstatt in der
Güntzstrasse kompatibel sein.

Dafür ist ein Ab- und Ausgleich der sowohl auf Mac- wie auf PC
basierenden Netzwerke durch Herrn Kühnel und Herrn Heim herzustellen.

Die Lehrinhalte im Grundlagenstudium sind abgestimmt mit den
weiterführenden Angeboten in den Bereichen Fotografie - Film/Video -
Animation - Medienkunst sowohl in der Fachklasse „Medien“, wie mit dem
Angebot der Fotowerkstatt und der ehemaligen Videowerkstatt in der
Güntzstraße im Fachbereich II..

Die angebotenen Kurse im Grundlagenstudium sind offen für alle
Studenten auf dem Brühl und bieten damit vor allem für die Hard- und
Software Kenntnisse an, die zum Beispiel schon in den verschiedenen
Fachklassen (Prof. Kerbach, Prof. Grossarth, Prof. Brandmeier)
vorhanden ist, z.B. G3 und G4 Rechner, Powerbooks, Scanner,. Drucker,
Mini DV-Camcorder, Schnittsoftware und Beamer.

Damit würde eine bessere Ausnutzung und besserer Zugriff auf diese
schon vorhandene Technik gewährleistet.

Die weitere Aufrüstung dieser Technik-Inseln aus den Sachmitteln der
jeweiligen Fachklassen sollte auf der Grundlage eines Gesamtkonzepts
erfolgen, das sowohl an den Bedürfnissen der Lehre wie der
Kompatibilität mit der Technik in der Medienklasse und der „offenen
Medienwerkstatt“ orientiert ist.

3) Fachklassenstudium Medienklasse

Die im Grundlagenstudium vermittelten Kenntnisse werden in der
Fachklasse „Projektklasse Neue Medien“ vertieft und erweitert.
Wir schlagen vor, die Klasse in „Medienklasse“ umzubenennen.

Das bisher gewachsene Profil der Klasse umfaßt ein breites Spektrum
künstlerischer Techniken und Konzepte, das von Fotografie über Film,
Video, Medienkunst bis zu Installationen mit rein bildkünstlerischem
Charakter reicht

Da sich hier und im Bereich Animationsfilm neue Schwerpunkte
abzeichnen, werden wir künftig damit experimentieren, den Klassenraum
wieder mehr als Atelier und Werkraum für Arbeiten in den genannten
Bereichen zu nutzen.

Die Arbeit in der Klasse ist projektorientiert.
Einzelprojekte werden lektoriert und bis zur Endfertigung betreut.
Praxisbezug - Teamgeist - Qualität - Internationalität -
Eigeninitiative und Eigenverantwortung sind die 5 Säulen der
Ausbildung.

Um angesichts wachsender Projekt- und Studentenzahlen eine gute
Betreuung gewährleisten zu können, schlagen wir für die Technik- und
Personalstruktur folgende Veränderungen und Ergänzungen vor:

In den Jahren des Modellversuchs und des Aufbaus sowohl der Lehr- wie
der Technikstrukturen der Projektklasse haben wir Aufgaben übernommen,
die Aufgabe eines Grundlagenstudium sind.
Das würde ermöglicht durch die zusätzlichen Mittel aus dem
Modellversuch.

Die Kapazitäten der Medienklasse werden künftig zur Abdeckung
folgender Lehrangebote benötigt:

Die Fachklasse „Medien“ wird weiterführende Seminare und Workshops zu
speziellen Techniken und Fertigkeiten anbieten.

Die künstlerische Leitung der „Medienklasse“ liegt bei Prof. Dammbeck.

Die bisherige Vollstelle für den künstlerischen Assistenten wird
geteilt.

Eine halbe Stelle wird unbefristet für einen Mitarbeiter/in für die
Betreuung von Netzwerk, Updates, Datenverwaltung, Internet und
Programmierung benötigt.

Eine halbe Stelle wird unbefristet für einen Mitarbeiter/in für die
technische Betreuung laufender Projekte und weiterführende Seminare in
den Bereichen Avid-Schnittplatz, Tonbearbeitungsplatz Digital
Performer, Bewegtbild-Effektsysteme wie Combustion und After Effects
sowie den Krass-Tricktisch benötigt, um die die im Grundlagenstudium
erworbenen Kenntnisse zu vertiefen.

Durch zusätzliche Honorarmittel werden Seminare ermöglicht, die je
Semester in den Bereichen Script - Schnitt/Montage -
Musik/Tonbearbeitung - Animation - Effekte angeboten werden.
Diese Seminare werden durch externe Spezialisten aus der Praxis
durchgeführt und bieten eine künstlerische Erweiterung der vermittelten
technischen und künstlerischen Grundkenntnisse an.

Dafür sollte die bisher zur Verfügung stehende Technik verdichtet und
jedes Jahr die Software aktualisiert werden:

Hardware
3 Macintosh Rechner (1 neuer Rechner pro Jahr, ein alter Rechner wird
ausgetauscht und steht der offenen Medienwerkstatt im Grundlagenstudium
zur Verfügung)
2 Schnittplätze Final Cut und Combustion/After Effects
-36-

1 Schnittplatz Avid (Aufrüstung der jetzigen Version, Supportervertrag)
1 Tonbearbeitungsplatz
2 digitale Fotoapparate (1 zusätzlich)
1 Kopiergerät mit Fotofunktion (Neuanschaffung)
2 MiniDV Camcorder (1 HD-DV-Camcorder zusätzlich)
2 Dat- Recorder (1 zusätzlich)
1 Dedolight Set Licht
1 Set Mikrophone und Zubehör
2 Beamer (1 zusätzlich)
1 Arbeitsplatz Maya 3D Animation
16/35mm -Kombi-Schneidetisch, gebraucht (Neuanschaffung)
1 Tricktisch Krass (Umrüstung auf Video bzw. Digitalkamera =
Spiegelreflexkamera, zB Nikon D1 oder Sigma SD9
Zu dem letztgenannten Gerät sind einige zusätzliche Bemerkungen zu
machen.

Der Modellversuch hat sich zum Ziel gesetzt, einen fruchtbaren Transfer
zwischen traditionellen graphischen Techniken/Formen der Bildfindung
und neuen Medien zu ermöglichen.

Eine herausragende Bedeutung hat in diesem Zusammenhang der
experimentelle Trickfilm, weil er technisch auf einer analogen Basis
operiert und insofern mit traditionellen graphischen Techniken
kompatibel ist, aber gleichzeitig Einblicke in die moderne
Medienlandschaft eröffnet.
Dringend erforderllich ist deshalb für die Sicherung des sehr gut
angenommenen Seminarangebots im Bereich "Experimenteller Trickfilm" der
KRASS-Tricktisch sowie eine Ergänzung des noch fehlenden technischen
Equipments.

Wir besitzen einen Krass-Tricktisch älteren Baujahrs.
Mit dem Tricktisch ist es möglich, in professioneller Qualität
Animationsfilme auf 35 mm zu erstellen. Da Zeichentrickfilm heutzutage
meist keine Trickkamera mehr sieht, sondern nach dem Cleanups gescannt,
digital coloriert und dann erst auf Film ausbelichtet wird, wäre für
diesen speziellen Zweck eher die Investition in ein Programm wie Animo
oder CTP und in einen Scanner mit automatischem Blatteinzug nötig.
Denn die nächste Stufe, Schnitt und Vertonung, findet heutzutage
meistens auf Computern statt.

Ein moderner 16/35mm -Kombi-Schneidetisch, gebraucht, wäre sehr
sinnvoll.

Für die Weiterverarbeitung von Direktfilm-Experimenten und die
Herstellung von Filmsequenzen für Kino- und Ausstellungsinstallationen
ist zur Abtastung eine professionelle digitale Spiegelreflexkamera, die
auf einer Optische Bank adaptiert wird, wünschenswert.

Hier ist dringendst anzumerken:

Alles Equipment, auch gerade Filmequipment, wird nicht genutzt werden,
wenn sich nicht Studenten, Tutoren oder ein Techniker dauerhaft um die
Wartung der Geräte und die Unterweisung der Studenten kümmert.

Die Geräte sind nicht sehr wartungsintensiv, aber sie müssen mit
Sachverstand bedient werden.

Auch wird es unbefriedigend sein, wenn keine gute Möglichkeit besteht,
das erzeugte Material in einer technisch sauberen Form präsentieren und
weiterbearbeiten zu können.

*

Sicher habe ich in meinem Bericht nicht alles erklären und erwähnen
können. Sie werden heute nachmittag bei der Vorstellung der
Arbeitsergebnisse einzelner Seminare sicher einige Ihrer möglicherweise
noch offenen Fragen beantwortet bekommen.

Einiges wird sicher in der daran anschließenden Diskussion erörtert
werden können.

Aus Sicht des Projektteams und vor allem der Studenten, die am
Modellversuch teilgenommen haben, ist dort vor allem die Frage zu
diskutieren, in welcher Form soll die begonnene Arbeit weitergeführt
werden?

Was kann und soll von den positiven Ergebnissen des Modellversuchs
übernommen werden, und wird es die dafür notwendige personelle und
technische Ausstattung geben?

Inwieweit hat die Hochschule dafür Vorsorge getroffen, um die positiven
Ergebnisse des Modellversuchs weiterführen und in den Lehrbetrieb
implementieren zu können?

Was stellt die Hochschule dafür an zusätzlichen Stellen und Mitteln zur
Verfügung?

Kann und wird die Hochschule der Verantwortung, die sie für die dafür
notwendige technische Ausstattung trägt, gerecht werden?

*

Ich möchte nun die Gelegenheit nutzen, allen an der Durchführung und
Realisierung des Modellprojekts beteiligten für ihre Arbeit und ihr
Engagement herzlich zu danken:

Harriet Meining und Karsten Heim vom Projektteam, Frau Hoffmann von der
Verwaltung der Hochschule, Herrn Schönemann und Herrn Schiessl
die uns, für die von uns vorgeschlagene Konzeption und Realisierung,
den notwendigen Rückhalt gaben, auf den wir auch weiterhin bauen.

Und natürlich danke ich sehr herzlich unseren Partnern im
Bundesminsterium für Bildung und Forschung, im Sächsischen
Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst und im Zentrum für
Kulöturforschung Bonn.

Ich möchte Ihnen nun abschließend ein kurzes Programm von
Studentenarbeiten vorführen, die im Ergebnis wesentlich von den
Seminaren und Workshops profitiert haben.

Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.


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Statement zur Konzeption für die "Projektklasse Neue Medien"


Im Mai 2000 wurde an der Hochschule für Bildende Künste
Dresden die „Projektklasse Neue Medien“ eröffnet - eine
Neugründung auf der „grünen Wiese“ einer vorwiegend als
„Malerakademie“ wahrgenommenen ehrwürdigen Institution
ohne Traditionen im Medienbereich.
Nach Dresden fährt man (immer noch) um Maler zu werden.
Die Meinungen und das Wissen darüber, was ein „Bild“ ist, haben sich durch das Aufkommen und die Allgegenwart von neuen „Bildherstellungstechniken“ rasant verändert.
Um das Wesen und die Spezifik von „Bildern“ heute erforschen und
bestimmen zu können, bedarf es der Zusammenarbeit von Malern, Fotografen, Filmemachern, Technikern und Wissenschaftlern verschiedenster Disziplinen. Dafür soll die Projektklasse Ort sein.
Eine spezifische Struktur für die fachbereichs-übergreifende Arbeit,
die auch die Zusammenarbeit mit Filmförderungen, Medienfirmen und Sponsoren einschließt, beginnt sich „learning by doing“ zu entwickeln. (siehe auch bisherige Aktivitäten unter: Archiv)
Als wichtige Ergänzung zur künstlerischen Arbeit hat sich ein „Mediensalon“ etabliert, in dem künstlerisch und theoretisch interessante Positionen aus den Bereichen „Film, Video, Fotografie und Medienkunst“
in der Projektklasse vorgestellt und diskutiert werden.

Ab April 2001 wird sich die Projektklasse mit „Artlab: Medienhöhle 1-x“
an einem bundesweiten Modellversuch der BUND -LÄNDER - KOMMISSION für Bildungsplanung und Forschungsförderung beteiligen.
Anspielend auf Platos Höhlengleichnis soll hier über drei Jahre in einer Kombination von Seminaren, Symposien und Ausstellungen fachbereichsübergreifend Zugriff und Einblick in neue technische und künstlerische Entwicklungen ermöglicht werden und zugleich neue Lehrformen für das Grundlagenstudium an einer Kunsthochschule erprobt werden.